Quelle: fluter.; Thema: Plastik; Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung; Herbst 2014/Nr.
52
Samstag, 3. Januar 2015
Der Plastiktüte geht es an den Kragen
EU-Parlament, EU-Kommission und Mitgliedsstaaten zeigen
Einigkeit darin, Kunststofftüten den Kampf anzusagen: Eine neue EU-Richtlinie
soll für eine Reduzierung des Verbrauchs von Plastiktüten um 80% bis 2025
sorgen. „Wie es einige Länder schon vorgemacht haben, ist es durchaus möglich,
mit einer kohärenten Politik den Verbrauch dieser Tüten erheblich
einzuschränken. Plastiktüten schrittweise zu verbieten, hilft die
Umweltbelastung durch Kunststoffmüll zu reduzieren", erklärte die dänische
Berichterstatterin Margarete Auken.
In Europa werden jährlich 100 Milliarden Plastiktüten
ausgegeben. Im EU-Durchschnitt werden 198 Plastiktüten pro Person und Jahr
verwendet, davon 178 Einwegtüten. Spitzenreiter im Verbrauch ist Portugal mit
mehr als 500 Tüten pro Person. Dementgegen steht Irland mit nur 21
Plastiktüten. Der Durchschnittsdeutsche verbraucht 71 Tüten, dabei 64 leichte
Einwegtüten.
Um diese Richtlinie umzusetzen, haben die Mitgliedsstaaten
zwei Möglichkeiten. Entweder stellen sie durch Gebühren und Steuern sicher, dass bis Ende 2019 keine Plastiktüten
mehr kostenlos ausgegeben werden oder sie setzen sich konkrete Ziele, mit der
sie eine Verringerung der Plastiktüten pro Person bis Ende 2019 auf 90 Tüten
und bis 2025 auf 40 Tüten herbeiführen. Auch ein Verbot wäre möglich. Ausgeschlossen
von der Regelung sind Tüten für Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch, da diese aus
Hygienegründen notwendig sind. Auch dickere Plastiktüten, die für mehrmalige
Verwendung bestimmt sind, fallen aus der EU-Richtlinie raus.
Die neue Richtlinie entspricht
den Werten vieler EU-Bürgerinnen und Bürgern, für die Gesundheit und
Umweltschutz wichtige Belange sind. SPD-Europaabgeordnete
Jutta Haug sagte: „Die Maßnahmen, die wir verabschiedet haben, sind längst
überfällig“, doch es gibt auch kritische
Stimmen: Die Sprecherin der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK),
Heike Richter sagt, dass man das Problem nur auf einen Einzelaspekt reduziere.
Da Deutschland schon jetzt das
Reduktionsziel von 90 Einwegtüten bis 2019 erfüllt, könne sich die deutsche
Regierung auch auf höhere Reduktionsziele verpflichten. Dies würde der von Plastikmüll
belasteten Umwelt zu Gute kommen, denn an Deutschlands Küsten sehe man, dass
Plastiktragetaschen eine Gefahr für die Natur und letztendlich auch für den
Menschen darstelle, so NABU- Bundesgeschäftsführer Leif Miller.
Quellen:
Abonnieren
Kommentare (Atom)
